Corona Information

Da ich häufig nach unserer Situation gefragt werde, hier ein Zustandsbericht, sowie ein Ausblick und eine Bewertung der derzeit angebotenen „Hilfen“

Wir haben uns am 13.03. freiwillig dazu entschlossen den Betrieb zu schließen. Eine Öffnungsbeschränkung auf 75 Gäste ist in Rheinland-Pfalz am 15.03. in Kraft getreten. Eine Schließung aller Gastronomieobjekte folgte eine Woche später.

Das heißt, dass unsere Umsätze seitdem auf 0€ gesunken sind. Wie die allermeisten Veranstaltungsbetriebe ohne Außenbewirtschaftung würden wir derzeit eine Rücklage für die umsatzschwachen Monate im Hochsommer zu bilden, was nun ausfällt.
Die Fixkosten, wie Pacht, Löhne Sozialabgaben, Energiekosten, Leasingverträge etc. für einen Laden wie das Caveau liegen monatlich im 5 stelligem Bereich.
Derzeit bestreiten wir das aus den allgemeinen Rücklagen, aber die gehen natürlich schnell zur Neige. Die Folgen sind hier natürlich jetzt zeitabhängig. Sollten wir nach Ostern wieder öffnen können, wäre die Unterbrechung teuer und ärgerlich und es wird im Hochsommer dann eng werden. Ein längerer Shutdown wird dann schnell existenzgefährdend. Länger als 3 Monate würde dann wohl auch das Aus bedeuten. Und selbst wenn wir zügig wieder aufmachen dürften, wäre da immer noch die Frage, ob Gäste in nächster Zeit überhaupt auf Veranstaltungen gehen wollen. Das Virus verschwindet ja nicht über Nacht.

Nun gibt es verschiedene, angeblich unbürokratische Hilfen für uns. Ich versuche mich mal mit einer Aufzählung und Bewertung.

  1. Sofortbeihilfeninbar.BeieinemBetriebbis5Mitarbeiter9000€für3Monate.
    Das ist ja nett. Und hilft auch sicherlich. Erstens muss man das nicht zurückzahlen, außerdem soll das wirklich schnell und ohne großen Aufwand gehen. Hilft aber nur einen Monat. Unsere Kosten sind monatlich höher als dieser Zuschuss. Außerdem zählt der Zuschuss als zu versteuerndes Einkommen. Also holt sich, je nach Steuersatz, der Staat einen Teil davon sich nächstes Jahr zurück.
  2. Schnellkredite über die KfW. Der Staat macht also meinen Laden dicht, leiht mir dann Geld damit ich wieder aufmachen kann? Das zahl ich dann mit Zinsen, die die Bank kassiert, zurück. Die Bank legt die Zinsen nach dem Risiko fest. Also nix mit 2%. Eher so 7-8%
  3. Bankkredite.DasselbewiebeidenStaatskrediten.NurträgthierdanndieBankdas Risiko. Also mehr Zinsen.
  4. Steuerstundungen, Sozialabgabenstundungen, Minderungen der Steuer. Als Selbständiger zahlt man Steuern im Voraus. Da geht das Finanzamt vom Vorjahr aus und nimmt sich seinen Teil schon mal und verrechnet das dann nach der Steuererklärung. Jetzt lässt sich wegen der Schließung die Vorauszahlung mindern, weil ja auch kein Geld reinkommt, bzw. weil ja Verluste gemacht werden. Nett, aber keine tatsächliche staatl. Hilfe.
    Stundungen haben den Vorteil, dass man nicht sofort Geld ausgeben muss, das ja nicht da ist. Leider auch den Nachteil, dass später dann ein viel größerer Betrag gebucht wird.
  5. Stundungen der Pacht, Dienstleistern etc. Wieder eine Hilfe zum kurzfristigen überleben, kombiniert mit späteren Problemen.
    Generell sind alle Lösungen, die mit Stundungen und Krediten zu tun haben, wenig hilfreich. Sie führen nämlich zur Überschuldung. Die Krise ist vorbei, die Schulden sind noch da. Einige Zeit später erinnert sich keiner mehr an die Krise. Dann geht die Musikanlage kaputt, oder eine andere große Ausgabe steht an. Was sagt die Bank dann zur Kreditanfrage?
    Jeder Cent, den ich derzeit in den Laden stecke, bzw. mir leihen muss, damit der Laden überlebt, fehlt für Investitionen in die Zukunft des Betriebs. Und letztendlich fehlt mir das Geld zum Leben.

Welche realistischen Lösungen bleiben?

  1. Wir brauchen eine Kurzarbeiterlösung für Minijobber. Festangestellte können in
    Kurzarbeit. Minijobber nicht. (Und nein, man kann auch nicht einfach alle rausschmeißen, wie es mancher getan hat. Das ist erstens rechtswidrig. Und zweitens, was für mich wichtiger ist, asozial, es gibt auch eine Verantwortung von uns Arbeitgebern gegenüber unseren Angestellten!)
  2. Pacht muss erlassen, oder zumindest gemindert, werden! Pacht ist, zusammen mit Löhnen der größte Kostenpunkt. Die allermeisten Verpächter sind Kapitalgesellschaften, oder die öffentliche Hand. Da sollte ein Pachtausfall von 1-3 Monaten leicht verkraftbar sein. Die Stadt Bad Kreuznach hat allen ihren Pächtern die Pacht für die Dauer der Krise erlassen! Es geht also.
  3. Die Stadt Mainz sollte die Vergnügungssteuer auf Eintrittskarten für das Jahr 2020 aussetzen. Ohnehin eine fragwürdige Steuer, die in den allermeisten Gemeinden in Deutschland in der Form gar nicht erhoben wird
  4. Zuschüsse sollten sich nicht an der Zahl der Mitarbeiter, sondern an tatsächliche Kosten festmachen. Eine nachträgliche Prüfung der Bedürftigkeit kann dann ja gerne folgen.
  5. Stundungen sollten langfristig erfolgen, z. B. eine Rück- oder Nachzahlung innerhalb von 2 Jahren möglich sein.

Ich habe diesen langen Text als Erklärung meiner eigenen Lage geschrieben. Sicherlich ist die Situation bei vielen Kollegen ähnlich, aber letztendlich kann ich nur für mich schreiben. Dies soll auch kein Mimimi sein, sondern einfach eine Analyse und Bewertung.